Ise besichtigen   伊勢

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Der Eingang zum Naikû, dem inneren Heiligtum des Ise-jingu.

Die Bauweise des inneren Heiligtums (Naiku) ist in Japan einzigartig. Sie stammt aus einer Zeit vor Ankunft chinesischer und buddhistischer Einflüsse und orientiert sich am Bau einer Reiskammer.

Die Perleninsel Mikimoto nahe der Halbinsel Shima.

Amaterasu verlässt die Höhle (Shunsai Toshimasa, 19. Jh.)

Kaiserliche Mystik

Neben der öden, industriell geprägten Vorstadt Ises, findet man hier das zentrale Shinto-Heiligtum Japans. Die mysteriöse Ahnenstätte ist der Sonnengöttin Amaterasu gewidmet, die ohne Zweifel die wichtigste Gottheit des Landes ist.

Nach dem Nihon Shoki (720) – einer großen Sammlung japanischer Mythen und Legenden, vergleichbar mit Homers Odysee oder dem Alten Testament – soll vor unsagbaren Zeiten Amaterasu hier gelebt haben, bevor sie in die Region Nara zog und die kaiserliche Dynastie hervorbrachte.

Soweit die Legende... Aber auch Historiker sind sich einig, dass in Ise das älteste Heiligtum Japans liegt, in welchem vormals lokale Gottheiten verehrt wurden, bevor die Stätte vermutlich im 6. Jahrhundert Amaterasu gewidmet wurde (zu der Zeit, in der sich die kaiserliche Linie politisch erstmals behauptet und und ihre Abstammung von Amaterasu propagiert).

Kurze Zeit sp��ter werden hier von unverheirateten Prinzessinnen der kaiserlichen Familie Rituale  durchgeführt. Auch heute lebt diese Tradition in Gestalt der Großpriesterinnen des Heiligtums fort. Während des zweiten Weltkriegs nahm sogar die Tochter des Kaisers Hirohito daran Teil.

Zwei Heiligtümer

Im Herzen eines heiligen Waldes aus Zedern und Zypressen,der mit 5.500 ha ein Drittel der Stadt bedeckt, liegen die beiden im Abstand von 5 km angelegten Heiligtümer von Ise.

Nach dem Überschreiten der Uji-Brücke und der Ankunft am Naikû, dem Herzstück des Kultes um Amaterasu, spürt man in jeder Andeutung die Erhabenheit des Ortes. Dies ist nicht nur das wichtigste Heiligtum Japans, sondern auch das geheimnisvollste, denn niemand von außen kennt die Rituale. Der Zutritt zum Hauptgebäude ist allein dem Kaiser, seinen Angehörigen und einem engen Kreis hoher Shinto-Würdenträger vorbehalten. Selbst der Blick auf die zentralen Gebäude und die vollführten Rituale ist nur sehr eingeschränkt möglich. Hier sollen sich ebenfalls die kaiserlichen Insignien befinden, die aber nur auf Abbildungen zu sehen sind.

Der weniger grandiose Gekû (äußeres Heiligtum) ist einer anderen uralten Gottheit gewidmet, Toyouke Omikami, Schutzherr guter Ernten und eines sicheren Haushalts. Dieser Komplex ist weit weniger besucht und lädt zu einem geruhsamen Spaziergang im verwunschenen Wald ein.

Die Halbinsel Shima

Neben den Hauptsehenswürdigkeiten kann man sich durchaus etwas mehr Zeit für Ise nehmen, und den Nationalpark der Shima-Halbinsel besuchen, insbesondere die Bucht Futami, in der das berühmte Felsenehepaar Meoto Iwa liegt. Weiter nördlich (Toba) erwartet Sie eine ganz andere Berühmtheit, die viele Besucher anzieht: Mikimoto, die Schutzpatronin der Perlentaucher in Japan. In diesen Gewässern leben seit jeher Perlenaustern und Seeigel, die früher bei Ebbe durch tauchende Fischersfrauen, die Ama, gesammelt wurden. Heute tauchen Sie vor allem für den Tourismus, aber im Museum Mikimoto Pearl Island kann man viel über die Tradition der Ama in Japan erfahren und vor allem über die Technik, mithilfe derer Mikimoto Kokichi die Perlentaucherei zu einem wichtigen Wirtschaftszweig des Landes machte.

Der Süden der Halbinsel ist ruhiger, aber auch weniger leicht zu erreichen. Für Fotografen ist dieser Ort ideal, denn die zerklüftete Küste bietet einen wunderbaren Panoramablick auf die mehr als 60 Inseln der Bucht von Ago und die Boote der Perlenfischer.

Ein kleiner, ruhiger Fischerhafen, Goza, liegt nur einen Steinwurf von einem großen, weißen Sandstrand entfernt (Goza-shirahama).