Koyo, der Herbst in rot und gold   紅葉

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Feuerrote Blätter

Im Herbst geht Japan auf bunte Blätterjagd, welche die Landschaft in eine einzigartige aber vergängliche Färbung tauchen. Die Rückkehr zu einer vormals heiligen Saison von weit entfernten Vorahnen, doch von größter Aktualität.


Das Phänomen ist rein natürlich. Mit den Herbsttemperaturen und den kürzeren Tagen, stoppt der Baum die Chlorophyllzufuhr an die Blätter und ihre Farben wechseln von grün zu rot und orange, bevor sie letztendlich abfallen.

Poetische Natur

Von diesem natürlichen Phänomen, Koyo (rotes Blatt) genannt bezieht das heutige Japan ein besondere Auffassung. Eine Betrachtung die sich auf die Spiritualität des Buddhismus zurückverfolgen lässt (denn die rötliche Färbung erinnert daran, dass auch das Leben vergänglich ist) bis hin zum Shintoglauben (wonach die Natur unterschiedliche Kräfte verfügt die sich im Menschen verfestigen).

Alles begann mit der Heianepoche (794-1195, durch die Festlegung Kyotos als imperiale Hauptstadt gekennzeichnet), als die japanische Aristokratie sich mit dem Koyo anfing zu brüsten. Das Sammeln der vergänglichen Herbstfarben wurde also zu einer begehrten Freizeitbeschäftigung. Man spricht von der Momijigari, der „Jagd auf die roten Blätter“ um den Zeitpunkt im Jahr zu beschreiben an dem Ästheten Exkursionen durch die Wälder leiten auf der Suche nach den beliebten Blättern, begleitet von Picknicks und poetischen Vorträgen.

Gold, Schatten oder Zinnoberrot

Die Momijigari hat die Jahrhunderte überdauert und ist heute ein lang ersehnter Zeitraum für viele Japaner, die fiebernd den Wetterbericht mitverfolgen um zu erfahren wann und wo der perfekte Zeitpunkt gekommen ist die Blätter zu „jagen“. Die Koyosaison beginnt auf Hokkaido (Sapporo) Mitte September und zieht sich dann progressiv gen Süden der Inselgruppe, bis sie auf der Insel Kyushu (Fukuoka, Kagoshima) im Dezember endet.

Als aufgesticktes Motiv auf einem Kimono, aufgemalt auf einem Schirm oder lackiert, als Begleitdeko auf dem Essensteller oder einfach als Kuchenform. Im Herbst sind die roten Blätter allgegenwärtig. Und die Japaner nehmen sich in der Regel ein paar Tage mehr Zeit, mit der Familie oder mit Freunden um diese Jagd auf das Schöne und Vergängliche zu begehen. Bestimmte Gebiete wie die Tempel und Gärten von Kyoto (Kodaiji, Chion-in Arashiyama) und das Umfeld von Tokio sind besonders begehrt. Doch viele missgünstige Anfänger behalten ihre guten Adressen für sich…

Denn im japanischen Kalender hat dieser bunte Herbst den gleichen Stellenwert wie das Hanami Frühlingsfest, der Betrachtung der frisch aufgeblühten Sakura. Doch der Star ist dann nicht mehr die aufblühende Kirschblüte, sondern vielmehr der Ginkobaum und der Ahorn. Der Ginko (übrigens das Symbol Tokios) kriegt leuchtend gelbe Blätter, während die des Ahorn zunächst von gelb zu orange dann zu rot werden. Doch auch die Bäume an zweiter Stelle spielen ihre Rolle, darunter: Eberesche, Lärche, Buche oder Birke haben auch ihren Anteil an der Farbenpracht.

Der Koyoratgeber Japan:

- Kyoto, fünf Orte um die Herbstblätter zu bestaunen

- Das Koyo in Tokio

- Der Herbst in Nikko



Die Zeit in Japan Koyo von Aujourdhui_le_Japon

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