Genkan   玄関

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Genkan einer japanischen Grundschule in der Präfektur Ishikawa. Vor dem Eintreten in den Klassenraum müssen die Schüler sich Hausschuhe anziehen.

Genkan eines Ryokan in der Region Fukuoka.

Genkan des Hauses „Nada“. Entworfen von Fukiwara Muro Architects.

Die japanische Diele

Das Wort „Genkan“ bezeichnet den Eingang eines Hauses, öffentlicher Gebäude oder auch Tempel.  


Barfuß

Einmal durch die Tür gegangen, befinden Sie sich schon im Genkan. In Japan haben die Menschen die Angewohnheit sich vor dem Eintreten die Schuhe auszuziehen. Selbst wenn sie einfach nur zur Schule, ins Krankenhaus in einen Tempel oder in ein Restaurant gehen. Diese Angewohnheit datiert aus der Heianepoche (794-1192). Inspiriert von der Lehre des Zen, nach der jeder Tempelbesucher sich dieser Regel unterziehen musste. Selbst die Samurai haben sich davon inspirieren lassen und damit begonnen solche „Genkan“ vor ihren Häusern zu errichten.

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Der „Genkan“-Eingang befindet sich etwas tiefer als das Bodenniveau des Hauses. Er beinhaltet einen Schuhschrank, einen Schirmständer und eine Garderobe. In Japan ist es Brauch, dass der Gast sich am Eingang die Schuhe auszieht und sie dort fein säuberlich verstaut.

Der Gastgeber bittet dann seinen Gast einzutreten unter Anwendung folgender Sprechformel: Dozo, O-agari kudasai, was im Prinzip bedeutet „Möchten Sie eintreten?“. Der Gast antwortet dann mit: O-jama shimasu „Entschulden Sie die Störung“.

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Der Innen- und Außenbereich

Der Genkan ist nicht einfach ein gewöhnlicher Eingang. Er ist auch die Grenze zwischen Innen- und Außenbereich (Privatsphäre und Öffentlichkeit). Auf japanisch käme das der Bedeutung von uchi und soto gleich, oder etwa honne und tatemae. Uchi und soto dienen der Unterscheidung verschiedener sozialer Gruppenschichten. Uchi bedeutet Innenbereich und auch Heimischer, während soto das Synonym für Außenbereich stellt und Auswärtiger bedeutet.

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Uchi und soto stehen sich also auf verschiedenen Ebenen gegenüber. Vom Haus bis hin zu Nationalitäten. Der Geograph Augustin Berque spricht von einer „Zellaufteilung“ Japans. Zu beachten ist auch, dass die Japaner ihr Haus durch das Wort „ie“ oder „uchi“ beschreiben. Im Fall von „uchi“ wird es mit diesem Schriftzeichen geschrieben 家 (Haus) oder 内 (Innenbereich). Anders gesagt, jeder der bis in die so bezeichneten Bereiche vordringt befindet sich im Privatbereich des Hauses.


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