Der japanische Architekt Tadao Andō   忠雄安藤

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Porträt des japanischen Architekten Tadao Ando, aufgenommen bei der Einweihung der Kunstausstellungshalle in Neuss (Nordrhein-Westfalen) im Sommer 2004.

Kirche des Lichts in Ibaraki.

Der von Tadao Ando realisierte Anbau an das Benessehaus.

Azumahaus (1976), Osaka.

as Lee U-Fan Museum, Ergebnis einer Zusammenarbeit von besagtem südkoreanischen Künstler und Tadao Ando.

Das Genie des Betons und des Lichtes

 Tadao Ando, 1941 in Osaka geboren, ist ein wahre Ikone der japanischen Architektur. Die Reinheit seiner geometrischen Werke verleihen ihm seit Jahrzehnten eine weltweite Anerkennung.


Wie er von sich selbst behauptet, ist Tadao Ando ein vollkommener Autodidakt. Als ehemaliger Boxer ohne einen Abschluss kann er sich heute als einer der wenigen Stararchitekten wähnen. Als Jugendlicher begab er sich regelmäßig in Schreinereien, zu Eisenhändlern und Glashütten aus der Nachbarschaft seiner Großmutter bei der er groß geworden ist.

Inspiriert von Le Corbusier

Nachdem er in einem Innenarchitektenbüro gearbeitet hat und bei Renovationen von Häusern, beschloss er selbst die Architektur zu lernen. Doch ohne eine spezifische Ausbildung. Die Entdeckung der Werke von Le Corbusier waren für ihn ein entscheidender Faktor. Zwischen 1962 und 1969 bereiste er die Welt um sich die großen Werke der Architektur anzusehen und daraus seine Bildung zu ziehen. Es war seine Gelegenheit die von Le Corbusier realisierten Werke in Paris und Marseille zu bestaunen.

Internationale Preise

Bei seiner Rückkehr nach Osaka 1969, gründete er ein Büro und begann mit seiner Aktivität als Architekt zunächst mit kleinen Häuschen aus den 70er Jahren. Doch dann ging es schnell. Sein kleines Projekt, das Haus Azuma, vollkommen aus Beton bestehend und 1976 errichtet, gewann drei Jahre später den Hauptpreis des Architekturinstituts von Japan. In der Folge entwarf er Pavillon für Japan auf der Weltausstellung 1992 in Sevilla. Es war der am meisten beachtete und auch besuchte Pavillon der gesamten Ausstellung. In den 90er Jahren folgte seine Krönung durch Ausstellungen im MOMA in New York und dem Pariser Centre Pompidou. 1995 wurde ihm der Pritzkerpreis verliehen und er wurde zum Professor an der Universität zu Tokio ernannt; er der autodidaktische Architekt!

Geometrie und Beton

Trotz seiner minimalen Anwendung von Formen und auch der einseitigen Nutzung der Baumaterialien, bleibt sein Stil unverkennbar. Durch seine Wirtschaftlichkeit und Einfachheit blieb Ando trotz seiner Inspiration durch westliche Stile wie den von Le Corbusier, Bauhaus oder dem amerikanischen Architekten Louis Kahn einer gewissen japanischen Tradition treu. Ando hat eine Vorliebe für Beton, da dieser sich zeitbedingt je nach Lichteinfall verändert. Mit Liebe zum Detail, zeigt er seine ganze Raffinesse bei der Entwicklung seiner eigenen Betonmischformel. Dieser Beton ist selbst ohne Verarbeitung fein und glatt und wirkt als wäre er mit einem Pinsel bearbeitet worden.

Unterkunft und Licht

Die von Tadao Ando entworfenen Gebäude sind als Häfen des Friedens gedacht. Als Schutzbereich vor dem urbanen Chaos. Der bebaute Bereich ist eine Art Refugiumarchitektur die einen quasi vor externen Bedrohungen isoliert. Eine umschließende Aneinanderreihung dieser Gebäude bildet zusammen einen stattlichen Innenhof welcher als Lichtquelle fungiert. In seiner 1989 in Ibaraki erbauten Kirche des Lichts ist das Zusammenspiel von Beton und Licht ganz besonders gelungen. Dank einer Öffnung in Form eines Kreuzes strömt das Sonnenlicht in das Gebäude und hebt insbesondere die Heiligkeit dieses Ortes hervor. Dieses Spiel mit Licht und Schatten ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit.

Kunst, Architektur und Natur

Man nennt Ando auch den Mann von Naoshima, einer Art Museumsinsel in der Seto-Inlandsee die der modernen Kunst gewidmet ist. 1989 hat Soichiro Fukutake, Präsident der Benesse und Initiator dieser Museumsinsel, Ando mit der Errichtung des Benessehauses beauftragt. Diese Art Museumshotel ist ein Ort der seinesgleichen sucht und einen herrlichen Blick auf die Inlandsee und seine vulkanischen Inseln bietet. Ando fügte nach Fertigstellung noch ein riesiges Oval an das Hotel an: Die perfekte Verbindung von Natur und Architektur. Er verwirklichte auch das Minamidera, eine Holzscheune in der ein Kunstwerk vom Amerikaner James Turell ausgestellt ist. In den 2000ern kamen von ihm noch zwei weitere Museen auf der Insel hinzu: Das Museum für Kunst Chichu und das Lee U-fanmuseum. Die Verwirklichung seines eigenen Museums auf Naoshima ist nur noch ein weiteres Markenzeichen seiner inneren Verbindung zu dieser Insel.

Hierzu lesenswert: Naoshima, Kunst im Einklang mit der Natur

Auch in den Herzen der großen Städte zeigen sich einzelne Projekte von Tadao Ando. Zuständig für die Sanierung verschiedener Ausstellungsorte der modernen Kunst geleitet vom Geschäftsmann Francois Pinault in Venedig und Paris, war er zudem noch der Initiator des kürzlich fertiggestellten Tokyo Skytree.


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