Der Fischmarkt Tsukiji   築地市場

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Fischhändler auf dem Markt Tsukiji

Fischhändler auf dem Markt Tsukiji.

Versteigerung des roten Thunfischs

Die berühmte Versteigerung des roten Thunfischs ist der Höhepunkt eines Markttages auf dem Tsukiji.

Fischmarkt Tsukiji in Roppongi

Der Fischmarkt Tsukiji in Roppongi ist der größte der Welt.

Ausflug in den Bauch eines alten Tokioters

Tokio entschläft, Tsukijierwacht. Ginza ist auf Stand-by, im Tsukiji gehen die Lichter an. Der größte Fischmarkt der Welt beginnt jede Nacht aufs Neue sein geschäftiges Treiben.

Seit 3 Uhr morgens hasten die Verkäufer auf den 23 Hektar des Fischmarktes hin und her, um Schiffe und Laster zu entladen. Sie setzen alles daran, damit um 5:30 Uhr die tägliche Thunfischversteigerung beginnen kann. Vierzigtausend Fische werden hier verkauft, alle drei Sekunden einer. Der Ritus verläuft nach immer gleichen Regeln: professionnelle Käufer betasten prüfend die Fische, Verkäufer laufen zwischen den auf hunderten Holzpaletten aufgereihten Thunfischen hin und her.

Die Versteigerung

Tsukiji, wörtlich „dem Meer abgerungenes Land”, bringt jahraus jahrein Fischer, Restaurantinhaber und neugierige Touristen zusammen. Seit 1935 wird der Fischmarkt im Stadtbezirk Chuô abgehalten und ist zum größten Fischmarkt der Welt geworden, auf dem über 400 verschiedene Arten im Angebot sind.

Gegen 6 Uhr, wenn die Versteigerung zu Ende geht, beginnen die Großhändler in der großen Halle, die Fische zu zerteilen. Ein paar Meter weiter zersägen andere tiefgefrorene Fische. Oft schaffen sie das nur zu zweit. Und schon sammeln sich Neugierige, um das Schauspiel zu beobachten. Bis 8 Uhr setzt sich der Trubel auf dem überdachten Markt fort. Fische werden verkauft und treten dann ihren Weg in alle Landesteile an.

Besuch unter Aufsicht

Nun verlagert sich der Schwerpunkt in die Seitenstraßen. Gemüse- und Gewürzstände, besonders aber die Sushi-Restaurants (Sushiya) ziehen salarymen und Feinschmecker an, die Appetit auf ein jodhaltiges Frühstück haben. Hier ist der hauchdünn geschnittene Fisch, den Roland Barthes mit „Spitzengewebe” verglich, besonders schmackhaft. So beginnt der Tag mit viel Geschmack.

Tsukiji diktiert den Besuchern seine Regeln. Jeder muss sich an Auflagen halten: Nur die ersten einhundertzwanzig dürfen an der Thunfischversteigerung teilnehmen und müssen sich dabei im Hintergrund halten. Ebenso ist zu akzeptieren, dass auf dem gesamten Markt Verkäufer und Wagen immer Vorfahrt haben. Natürlich darf ihre Arbeit nicht gestört und dürfen die Ware nicht berührt werden. Aber das frühe Aufstehen lohnt sich dennoch in jedem Fall, solange hier gleichsam in einem „Schaufenster der feinen Geschmäcker Japans” Lebenskunst zelebriert wird.

Der große Umzug

Seit einigen Jahren wird über den Umzug des Marktes nachgedacht, der schon sehr alt und längst zu klein geworden ist. Daher hat die Stadtverordnetenversammlung im März 2012 für seine Verlegung in das Viertel Toyosu, im Stadtbezirk Kôto gestimmt. Jedoch wurde der für 2014 geplante Umzug wegen kontaminierter Böden, die zahlreiche Tests erfordern, zunächst auf 2016 und dann auf unbestimmte Zeit verschoben. Was dieser Umzug kosten wird? Einhundert Milliarden Yen - und dennoch weniger als die Renovierung des derzeitigen Standortes - für eine doppelt so große Fläche. Noch atmet der Markt von Tsukiji, aber es ist ein Leben auf geborgte Zeit.

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